Elektrische Muskelstimulation (EMS).
Die elektrische Muskelstimulation wurde in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von den russischen (damals sowjetischen) Sportwissenschaftlern entwickelt und rückblickend mit viel Erfolg im Spitzensport eingesetzt. Die Medaillenspiegel der Olympischen Spiele aus den 50er, 60er und 70er Jahren sprechen hier eine eindeutige Sprache. Diese Kenntnisse sickerten mit der Zeit auch in die westliche Welt durch. Selbstverständlich griff als erstes die Bodybuilding-Szene das Thema auf, schließlich war es eine legale Möglichkeit das Muskel-Potenzial optimal auszuschöpfen.
Wie funktioniert EMS?
Unsere Muskelatur erhält ihre Befehle vom Gehirn - als elektrische Impulse. EMS-Geräte bilden diese Signale nach, indem sie über die auf der Haut platzierten Elektroden Reizstrom-Impulse an die entsprechenden Nerven verabreichen. Der Muskel kontrahiert daraufhin, da er den Signal-Ursprung nicht unterscheiden kann.
Die Technologie-Entwicklung in diesem Bereich und vor allem der Einsatz der Mikroprozessoren führten dazu, dass EMS mittlerweile bezahlbar und auch zu Hause anwendbar ist. Des Weiteren führte dies dazu, dass die elektrische Muskelstimulation heute aus einigen Bereichen nicht mehr wegzudenken ist:
Sport.
Der Einsatz von EMS zur Kraftsteigerung bzw. Muskelaufbau führte in der Vergangengheit zu Diskussionen. Nun, das bei der Einführung von neuen Technologien es auch immer Widerstand gibt, ist auch nicht ungewöhnlich. Nach mehreren Jahrzenten von EMS-Einsatz belegen mehrere, voneinander unabhängige Studien den Kraftzuwachs bei EMS-Anwendung. Als vorteilhaft bei der elektrischen Muskelstimulation erweist sich die Tatsache, dass dabei zuerst nicht nur die roten Muskelfasern angesprochen werden (wie beim herkömlichen Krafttraining), sondern auch die weissen (Tiefenwirkung). Die Möglichkeit zu Hause ein EMS-Gerät zu anzuwenden ist spricht ebenso dafür - nicht jeder hat 2-3 mal pro Woche die Zeit (und Lust) dazu, sich für 1-2 Stunden ins Fitnessstudio zu begeben. Nicht zu vernachlässigen ist auch, dass EMS auch zur Muskelregeneration eingesetzt wird.
Rehabilitation.
Bei Muskulaturschwund nach längerer Immobilität (z.B. bei Krankenhausaufenthalt nach einem Unfall) oder als Vorbeugung gegen Muskelschwund mit zunehmendem Alter hat man im Prinzip keine Alternativen zur elektrischen Muskelstimulation. Das herkömliche Krafttraining kann hier nur äußerst bedingt oder gar nicht Anwendung finden.
Inkontinenz, Beckenboden-Muskulatur-Training.
Ein weit verbreitetes, oft verdrängtes Problem - feuchte Wäsche nach Lachen, Tragen von Lasten, etc. Die Ursache hierfür ist oft die erschlaffte Beckenbodenmuskulatur. Durch das EMS-Training der Beckenboden-Muskulatur werden auch Muskelfasern angespannt, über die wir keine optimale Kontrolle haben. Da das Thema Inkontinenz höchst aktuell ist - mehr dazu hier --> Beckenbodentraining und Elektrostimulation.
Schmerzen.
Laut Professor Grönemeyer (Universität Witten) ist für 80 Prozent der chronischen Rückenschmerzen eine vernachlässigte Rückenmuskulatur verantwortlich. Wenn der Schmerz bereits da ist, fällt die Möglichkeit durch Krafttraining die Rückenmuskulatur zu kräftigen ertmal weg - im besten Fall ist leichte Gymnastik angebracht. EMS spricht die Tiefenmuskulatur an, entlastet die Wirbelgelenke und optimiert die Nährstoffversorgung. Die Bandscheiben können sich auf diese Weise eher erholen. Nach einer Studie der Univerität Bayreuth konnten 88% der an der Studie Teilnehmenden ihre Rückenschmerzen deutlich reduzieren. Bei 44% der von chronischen Rückenschmerzen betroffenen Studie-Teilnehmern sind die Rückenschmerzen nach 6 Wochen Ganzkörper-EMS-Training sogar völlig verschwunden.
Als weiteres Einsatzgebiet hierfür kann der sogenannte "Tennisarm" (Epicondylitis) oder "Golfer-Ellenbogen" genannt werden. Als optimal in diesen Fällen erweist sich der Einsatz eines TENS-EMS-Kombi-Gerätes. TENS zur Schmerz-Behandlung, EMS zur Muskulatur-Kräftigung.
Kosmetischer Bereich.
Bei Einsatz von EMS im kosmetischen Bereich (z.B. Cellulite, Gesichtshautstraffung, etc) kommt zu dem bereits erwähntem Muskel-Straffungs-Effekt auch die Durchblutung und Stoffwechsel fördernde Reizstrom-Wirkung.
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